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Über 500 Teilnehmer feiern 15 Jahre „Driving Change for Better Cities“

04 October 2018

Vom 12. bis 14. September 2018 war Lissabon Schauplatz des URBACT City Festivals und das Fazit der deutschen Teilnehmer könnte kaum positiver ausfallen. An den repräsentativsten Orten der portugiesischen Hauptstadt und in innovativen Formaten tauschten sich Vertreter von mehr als 250 Kommunen zu den Zukunftsthemen europäischer Städte aus und blickten auch auf das Erreichte aus 15 Jahren URBACT zurück. Am Ende reisten die Teilnehmer aus Deutschland mit lauter positiven Eindrücken ab – brachten aber auch zahlreiche Ideen und Tatendrang mit zurück in ihre Städte.

Außergewöhnliche Locations – Offene und konstruktive Atmosphäre

Bereits beim „Ice Breaking Cocktail“, also dem Kennenlernen der Teilnehmer am Mittwochabend, zeigte sich die Gastgeberstadt von ihrer besten Seite und lud die Teilnehmer des Festivals zum Castelo Sao Jorge ein, das auf einem Hang über den Dächern der Altstadt thront. Dr. Klaus Puchta aus Magdeburg lobte die Location als „optimal zum Networken“ und laut Janina Stürmer von der Universität Erlangen konnte über das gesamte Festival hinweg eine Stimmung aufrechterhalten werden, „die es den Teilnehmern leicht macht, aufeinander zuzugehen und Kontakte zu knüpfen“. Hinzukam für Dr. Frank Feuerbach vom Transfernetzwerk ALT/BAU aus Chemnitz, dass auch das Patio da Gale als barrierearmer und stimmig designter Hauptveranstaltungsort der Konferenz überzeugte. Durch kreative Raumteilungen aus beschreibbaren Pappwänden konnten dabei bis zu fünf Sessions zu vielfältigen städtischen Zukunftsfragen parallel abgehalten werden. Olaf Lewald von der Stadt Bielefeld, Lead Partner im Aktionsplanungsnetzwerk CityMobilNet, gefiel vor allem der Market Place im Patio da Gale, auf dem sich die verschiedenen abgeschlossenen Aktionsplanungsnetzwerke der zweiten Förderperiode mit Ständen vorstellten. Insbesondere der Austausch zwischen den verschiedenen Projekten über ihre Erfahrungen mit URBACT sei hier wertvoll gewesen.

Breite Themenvielfalt und innovative Formate

Die inhaltliche Arbeit beim Festival wurde in drei verschiedenen Formaten parallel angeboten, sodass die Teilnehmer insgesamt die Wahl zwischen über 30 verschiedenen Sessions hatten. In der Main Location fanden die 16 sogenannten Breakout Sessions statt, bei denen die Festivalbesucher Ideen und Wissen aus bestehenden URBACT-Netzwerken in angeleiteten Diskussionen mit kurzen Inputstatements teilten und weiterentwickelten sowie deren Übertragbarkeit diskutierten. Dabei gewährleistete die breite Themenvielfalt, dass jeder Stadtvertreter die eigenen praktischen Erfahrungen einbringen und inspirieren konnte – egal, ob der eigene Fokus eher abstrakt auf Möglichkeiten und Grenzen von Bürgerbeteiligung oder zum Beispiel ganz konkret auf städtischen Förderungs- und Finanzierungsinstrumenten lag.

Ein weiteres Format bildeten die sechs vierstündigen Labs, die als Workshops mit besonderem Fokus darauf angelegt waren, die Kreativität und Innovationsfähigkeit der Teilnehmer anzuregen. Hierbei konnten Teilnehmer sich in kleinen Gruppen intensiv zu Themen wie sozialer Innovation in der Stadt, nachhaltiger Planung urbaner Mobilität oder den Potentialen digitaler Tools in der Interaktion mit Bürgern austauschen. Durch den kleinen Teilnehmerkreis und die geballte Expertise aus unterschiedlichen europäischen Kontexten konnten den städtischen Repräsentanten letztlich sehr konkrete Lösungen und Instrumente für ihre spezifischen Probleme mitgegeben werden.

Schließlich bildeten zehn sogenannte Walkshops das dritte kreative Format der inhaltlichen Sessions. Sie stellten einen Bezug zu den Aktivitäten und Best-Practices der Gastgeberstadt dar und machten das Vorgestellte und Diskutierte vor Ort sichtbar und erlebbar. Beispielsweise besichtigten die Teilnehmer des Walkshops „Revitalising the Retail Sector“ historische Läden in der Altstadt Lissabons, die durch die Stadt gefördert werden, um die Diversität und Tradition im Einzelhandel aufrecht zu erhalten. Während der Tour stellte eine Mitarbeiterin der Stadt das Förderprogramm Lojas com Historia und dessen konkrete Maßnahmen vor, wie etwa die Übernahme von Restaurierungskosten oder steuerliche Erleichterungen für die Ladenbesitzer. Im Anschluss tauschten sich alle Teilnehmer über eigene Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Revitalisierung des Einzelhandels in den Innenstädten aus.

Besonderen Anklang fand auch der Walkshop „An Integrated Approach towards a Deprived Neighbourhood”, bei dem ein neues Wohnviertel am Rande Lissabons besucht wurde, das den asbestverseuchten Bestand ersetzte. Die dortigen Anwohner haben neue Wohnungen bekommen, für die sie maximal 11 Prozent ihres Gehalts an Miete zahlen müssen. Auch Patrick Wiederanders, Experte beim Chemnitzer Aktionsplanungsnetzwerk 2nd Chance, konnte sich beim Walkshop inspirieren lassen:   

„Die haben wirklich einen tollen Local Actionplan erstellt. Das Viertel ist nach einem integrierten Ansatz angelegt, eine ökologische Siedlung mit guten energetischen Ideen. Regenwasser und Grauwasser von der Waschmaschine werden weitergenutzt, es gibt Dachbegrünungen und eine BMX-Strecke wurde auch angelegt!“

Was bleibt? Den europäischen Gedanken mit nach Hause nehmen

Zum Abschluss des Festivals kamen alle Teilnehmer zu einer „Bring it all home“ Session zusammen, um zunächst in kleinen Gruppen die großen Trends und gemeinsamen Erkenntnisse des Festivals zu sondieren. Dabei zeigte sich noch einmal die Schlüsselrolle der Städte in vielen Zukunftsfragen wie Klimaschutz, Mobilität, Wohnen oder Integration. Die städtische Ebene wurde dabei von den Teilnehmern oft als Bindeglied zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik identifiziert. Das Potential zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des Vertrauens in öffentliche Institutionen könne daher insbesondere auf der nahbaren städtischen Ebene ausgeschöpft werden. Wichtig bleibe aber, dass allen Bürgern eine Stimme gegeben wird, sie sich mitgenommen fühlen, Partizipation ehrlich gemeint und Dialog offen geführt wird.

Als zukünftige Herausforderungen stellten die Repräsentanten der über 250 europäischen Kommunen interessanterweise sowohl das Schrumpfen als auch das Wachsen von Städten heraus. Immer wieder hörte man zudem von Problemen bei der Vereinbarkeit von städtischem Tourismus und sozialgerechter, nachhaltiger Wohnungs-, Kultur- und städtischer Einzelhandels- und Wirtschaftspolitik. Gleichzeitig bleiben Integration und sozialer Zusammenhalt eine entscheidende Herausforderung. Es zeigt sich also, dass noch zahlreiche Zukunftsfragen Stoff für den Austausch und die Arbeit in den URBACT-Netzwerken bieten. Für die Teilnehmer war das URBACT City Festival ein weiterer kleiner Schritt im Umgang mit diesen Herausforderungen, der ihnen Inspiration und Motivation mitgibt. Dr. Frank Feuerbach aus Chemnitz betonte zum Beispiel, dass er mit sehr viel Enthusiasmus nach Hause gehe und schwärmte: „Jeder aus der Stadtverwaltung Chemnitz sollte die Möglichkeit erhalten, den sonst so abstrakten europäischen Gedanken mal so zu erfassen und zu erleben, wie das hier beim URBACT City Festival möglich ist!“ Neben einer konkreten inhaltlichen Inspiration ist es also vor allem das Gefühl der Gemeinsamkeit in Bezug auf gleiche Herausforderungen und gleiche Ziele, welches das URBACT City Festival in Lissabon bei seinen Teilnehmern erzeugte. Das betonten auch Besucher, die bis jetzt noch nicht an URBACT-Projekten mitgewirkt haben.

Die gute Nachricht für diese Besucher ist, dass der neue „Call for Proposals“ im Januar die Chance bietet, das viele Besprochene in Aktionsplanungsnetzwerken in Kooperation mit Partnern aus ganz Europa umzusetzen. Darüber hinaus wurde von Vertretern der Europäischen Kommission bestätigt, dass das URBACT-Programm auch Teil der nächsten Förderperiode der Europäischen Union sein wird – auch wenn sich Änderungen in der genauen Ausgestaltung und Organisation des Programms andeuten.

Wir freuen uns, dass der europäische Gedanke weiterhin über URBACT seinen Weg bis in die Umsetzungsebene von kommunalen Verwaltungen finden kann und informieren Sie gerne an dieser Stelle, sobald näheres zum neuen „Call“ und zur zukünftigen Ausgestaltung des URBACT-Programms bekannt wird.

© Fotos: URBACT