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URBACT Transfer-Netzwerke: Worum geht es, wer kann teilnehmen, was wird gefördert?

04 September 2017

Seit 15. September 2017 ist der erste URBACT-Call für Transfer-Netzwerke geöffnet. Bis zum 10. Januar 2018 können Projektanträge für Transfer-Netzwerke eingereicht werden. In diesen Netzwerken gibt eine Stadt mit einem erprobten Praxiskonzept der Stadtentwicklung ("Good Practice City") ihre Erfahrungen an andere Kommunen mit ähnlichen Herausforderungen weiter. Diese übertragen die erfolgreiche Strategie dann auf ihre Stadt, wobei sie sie vorher an ihre lokalen Gegegenheiten anpassen. Wir haben alle Fakten und Teilnahmevoraussetzungen für die Transfer-Netzwerke für Sie zusammengefasst.

URBACT – Allgemeine Informationen zum Programm

URBACT ist ein europäisches Förderprogramm für eine integrierte und nachhaltige Stadtentwicklung. Es zählt zu den Programmen der europäischen territorialen Zusammenarbeit. Finanziert wird es durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie von allen 28 europäischen Mitgliedsstaaten, Norwegen und der Schweiz. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf der Vernetzung und dem Erfahrungsaustausch verschiedener europäischer Städte und Institutionen, investive Maßnahmen werden nicht gefördert.

Was sind Transfer-Netzwerke?

Die konkrete Zusammenarbeit der Städte erfolgt bei URBACT im Rahmen von transnationalen Netzwerken. Bei den Transfer-Netzwerken übernimmt eine Stadt, die bereits ein erfolgreiches Konzept in einem bestimmten Bereich der Stadtentwicklung umgesetzt hat, die Mentoren-Rolle und gleichzeitig die Leitung des Netzwerkes (Lead Partner). Die anderen Netzwerkpartner sind „lernende Städte“. Während der Projektlaufzeit analysieren sie das erfolgreiche Modell, passen es an ihre lokalen Gegebenheiten an und übertragen es schließlich. Neben den Transfer-Netzwerken gibt es auch noch die Typen der Aktionsplanungs-Netzwerke (Städte erarbeiten integrierte Stadtentwicklungsstrategie) und Umsetzungs-Netzwerke (Städte setzen ein bestehendes Konzept um). Für diese Netzwerk-Typen gab es bereits jeweils einen Call, der nächste Aufruf für Aktionsplanungs-Netzwerke wird 2018 erfolgen.

Förderfähige Themen bei URBACT

Bereich Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit
1. Forschung, technologische Entwicklung und Innovation
2. Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)
3. Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU)
4. Umstellung auf eine CO₂-arme Wirtschaft
Bereich städtisches Umfeld und Umweltverträglichkeit
5. Anpassung an den Klimawandel sowie Risikoprävention und -management
6. Umweltschutz und effiziente Nutzung von Ressourcen
7. Förderung von Nachhaltigkeit im Verkehr und Beseitigung von Engpässen in zentralen Netzinfrastrukturen
Bereich Beschäftigung, Soziales und Bildung
8. Beschäftigung und Förderung der Mobilität der Arbeitskräfte
9. Soziale Eingliederung und Bekämpfung der Armut
10. Bildung, Qualifikationen und lebenslanges Lernen

70 Prozent der Mittel fließen in die Themenbereiche 1 / 4 / 6 / 8 / 9 (unterstrichen. Die verbleibenden 30 Prozent stehen für die anderen Themen zur Verfügung.

Bewerbungsverfahren: Zwei Stufen

Das URBACT-Sekretariat veröffentlicht regelmäßig Aufrufe zum Einreichen von Projektvorschlägen (Call for Proposal) zu den drei verschiedenen Netzwerk-Typen. Während eines genau definierten Zeitraumes können die Projektnetzwerke dann ihre Anträge einreichen. Die Bewerbung bei den URBACT-Transfer-Netzwerken funktioniert wie bei allen Netzwerk-Typen in zwei Phasen:

"CALL FOR PROPOSALS" (Projektaufruf Transfernetzwerke)
Dauer: 15. September 2017 bis 10. Januar 2018

  • Lead Partner des Netzwerkes (Good Practice City) reicht Bewerbung für Projektphase I ein
  • Ein externes Bewertungsgremium prüft die Förderfähigkeit und bewertet den Antrag
  • Das Monitoring Committee genehmigt die besten Anträge (bis zu 25 Transfer-Netzwerke) für die Projektphase I bis zum 4. April 2017. Grundlage der Entscheidung ist die Bewertung der URBACT Verwaltungsbehörde

PROJEKTPHASE I
(Konkretisierung und weitere Ausarbeitung Projektantrages; Beschreibung des Modells, das transferiert werden soll; Analyse der Ausgangssituationen in den beteiligten Städte, Methodik für die Transferaktivitäten festlegen, Partnerschaft für Phase 2 erweitern. Zum Ende der Phase I reicht der Lead Partner den finalen Projektantrag für die Phase II ein)
Dauer: 6 Monate, Start: 4. April 2018

  • URBACT Sekretariat prüft Förderfähigkeit
  • Ein externes Bewertungsgremium bewertet den Antrag und bittet den Antragsteller (Lead Partner) unter Umständen um Nachbesserungen oder Erläuterungen
  • Das Monitoring Committee genehmigt die besten Anträge für die Projektphase II. Grundlage der Entscheidung ist die Bewertung der URBACT Verwaltungsbehörde

PROJEKTPHASE II
(Umsetzung der geplanten Netzwerkaktivitäten, Transfer der Lead-Partner-Praxismodelle auf die Partnerstädte)
Dauer: 24 Monate

Auch wenn Projekte nicht für die Phase II zugelassen werden, bekommen sie die Kosten erstattet, die in der Projektphase I angefallen sind.

Wer kann teilnehmen bzw. wer ist förderfähig?

Teilnehmen an Transfer-Netzwerken können Netzwerkpartner aus den 28-EU-Mitgliedsstaaten, Norwegen und der Schweiz teilnehmen. Förderfähige Netzwerkpartner können dabei sein:

Phase 1 und 2

  • Großstädte, Städte, Gemeinden (Städte ohne Größeneinschränkung)
  • Interkommunale Verwaltungsebenen (z. B. Stadtbezirke)
  • Behörden von Metropolregionen und Ballungsräumen

Phase 2

  • Öffentliche oder halb-öffentliche kommunale Entwicklungsagenturen (z. B. Wirtschaftsförderung, Energieversorgung, Gesundheitsdienste, Verkehrsbetriebe, etc.)

Achtung: Universitäten sowie regionale und nationale Behörden sind bei den Transfer-Netzwerken (im Gegensatz zu den Umsetzungs- oder Aktionsplanungs-Netzwerken) nicht förderfähig (weder in Phase 1 noch in Phase 2)!

Partnerschaft in Transfer-Netzwerken

  • In jedem Netzwerk übernimmt eine Stadt die Federführung ("Lead Partner"). Es können nur Städte Lead Partner sein, die von URBACT als „Good Practice City“ ausgewählt wurden. Dies sind im Netzwerk dann die Städte, die ihre gute Praxis an die anderen weitergeben (Transfer)
  • Jeder Netzwerkpartner muss aus einem anderen EU-Mitglied- oder Partnerstaat kommen.
  • Phase I: Drei Städtepartner (inklusive Lead Partner), darunter mindestens eine Stadt aus einer weniger entwickelten Region (nicht-städtische Partner können erst in Phase II zum Netzwerk hinzustoßen)
  • Phase II: Mindestens 5, höchstens 8 Partner, darunter höchstens zwei nicht-städtische Partner (lokale Entwicklungsagenturen).
  • Bei 5 Partnern müssen mindestens 2 Partner aus weniger entwickelten Regionen kommen, bei 6 oder mehr Partnern müssen mindestens 3 Partner aus weniger entwickelten Regionen kommen.
  • Städte können nur an einem Transfer-Netzwerk gleichzeitig teilnehmen. Ausnahme bilden die "Good Practice Cities": Sie können neben ihrer Lead Partnerschaft auch an einem anderen Netzwerk teilnehmen, allerdings nur als normaler, „lernender“ Partner

Förderung

URBACT III ist ein Programm der europäischen territorialen Zusammenarbeit 2014-2020 und wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Alle Partner müssen außerdem einen Eigenanteil erbringen (Kofinanzierung).

  • URBACT Gesamtbudget 2014-2020 (EFRE und Kofinanzierung durch Mitglieds- und Partnerstaaten): 96 Mio. Euro
  • Budget pro Transfer-Netzwerk (Phase 1 + Phase 2): 600.000 Euro
  • 5 Budgetlinien: Personalkosten / Büro- und Verwaltungskosten / Kosten für Reise und Unterkunft / Externe Expertise (Lead- und Ad hoc-Experten fallen NICHT unter diese Budgetlinie, siehe nächster Punkt) / Ausrüstung
  • Zusätzliches Budget für Experten (URBACT-zertifizierte Lead- und Ad hoc Experten): 109.500 Euro Euro pro Netzwerk
  • Kofinanzierung: Weniger entwickelte und Übergangsregionen: 85% EFRE-Förderung / Besser entwickelte Regionen: 70% EFRE-Förderung
  • Kontinuierliche Unterstützung der Netzwerke durch das URBACT-Sekretariat: Handbücher und Methoden, Seminare etc.

Bewerbung für ein Transfer-Netzwerk, Phase I

"Lernende Städte"

Städte, die gerne ein gutes Praxisbeispiel auf ihren eigenen lokalen Kontext übertragen möchten, sind angehalten, die "Good Practice City" für deren beispielhaftes Vorgehen sie sich interessieren, direkt zu kontaktieren. Alle ausgewählten "Good Practice Cities" sowie die Kontaktdaten finden Sie auf http://urbact.eu/good-practices/home

"Good Practice Cities"

Städte, die als "Good Practice City" ausgezeichnet worden sind und die gerne die Lead Partnerschaft in einem Transfer-Netzwerk übernehmen und ihr vorbildhaftes Vorgehen in diesem Rahmen an andere Städte weitergeben möchten, senden bitte eine E-Mail an TN@urbact.eu und bekunden ihr Interesse. Das URBACT-Sekretariat kümmert sich dann darum, dass ein Online-Bewerbungsformlar (SYNERGIE-CTE) für Sie geöffnet wird.

URBACT-Methodik: Arbeit auf lokaler und transnationaler Ebene

Die Arbeit bei URBACT geschieht auf zwei Ebenen: Zum einen gründen/formieren alle teilnehmenden Städte eine lokale Arbeitsgruppe. Darin arbeiten im Optimalfall alle städtischen „Stakeholder“ bzw. Akteure mit, die etwas mit dem Thema (z. B. „Aufwertung eines benachteiligten Stadtquartieres“) des jeweiligen URBACT-Projektes zu tun haben bzw. davon betroffen sind. Gemeinsam wird dann eine entsprechende Stadtentwicklungsstrategie entwickelt oder umgesetzt. Parallel und ergänzend dazu tauschen sich die Städte eines Netzwerkes untereinander aus (z. B. bei Projekttreffen, Besuchen der anderen Partnerstädte etc.), um sich gegenseitig voranzubringen und voneinander zu lernen.

Bisherige und aktuelle „Calls for Proposal“

• September 2017 bis 10. Januar 2018: Projektaufruf für Transfer-Netzwerke (OFFEN)
• 22. März 2016 bis 22. Juni 2016: Projektaufruf für Umsetzungs-Netzwerke (GESCHLOSSEN)
• März 2015 bis Juni 2015: Projektaufruf für Aktionsplanungs-Netzwerke (GESCHLOSSEN)

Für 2018 ist ein weiterer Projektaufruf für Aktionsplanungs-Netzwerke geplant.

Weitere Informationen

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