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URBACT – Chance zu Aktion und Wandel

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30 January 2019

Seit 2002 waren rund 1.000 europäische Städte im URBACT Programm involviert und haben den Mehrwert von transnationaler Kooperation, vom Austausch guter Beispiele über Landesgrenzen hinweg sowie von einem partizipativen Ansatz der Politikgestaltung erfahren. Mit dem neuen Projektaufruf für Aktionsplanungsnetzwerke knüpft URBACT genau dort an, bringt Städte aus ganz Europa zusammen und fördert den Austausch und den Wandel auf lokaler Ebene.

Die Originalversion dieses Artikels in englischer Sprache von URBACT Partnership Officer Jenny Koutsomarkou finden Sie in der Broschüre „Cities in Action – Stories of Change

Die URBACT-Methode

Diverse EU- und UN-Berichte widmen sich nunmehr seit Jahren den langfristigen und neuen Aufgaben und Zukunftsaussichten von Städten. Urbane Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit, Bevölkerungsrückgang, sinkende öffentliche Investitionen, Zuzug von MigrantenInnen sowie die Digitalisierung aller Lebensbereiche – um nur einige zu nennen – zwingen Städte in ganz Europa dazu, ihre Strategien und Handlungsweisen neu zu erfinden.

Ein Ansatz, um Prosperität, Wohlstand und Wachstum angesichts der komplexen Herausforderungen einer Stadt zu fördern, ist es, das Steuerungsmodell der städtischen Verwaltung zu überdenken. So könnte die Stadt vermehrt die Rolle eines Vermittlers oder Moderators einnehmen, statt in einer starren „command and control“-Rolle zu verharren. Hierzu ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen den gewählten RepräsentantInnen, den MitarbeiterInnen der Stadt und den BürgerInnen genauso notwendig wie die Befähigung von lokalen Stakeholdern, Strategien und konkrete Maßnahmen mitzugestalten und zu implementieren. An genau dieser Schnittstelle setzt URBACT seit je her an.

URBACT engagiert sich für eine integrierte Stadtentwicklung und für deren Prinzipien der horizontalen und vertikalen politischen Integration. Diese Prinzipien und der Ansatz der integrierten Stadtentwicklung etablieren sich seit der Jahrtausendwende mehr und mehr, was wichtige Meilensteine wie die Leipzig Charta 2007, der Pakt von Amsterdam sowie die 2016 unterzeichnete New Urban Agenda zeigen.

Dabei bezeichnet die horizontale Integration, dass die verschiedenen kommunalen Ressorts und Behörden eng und in stetigem Austausch zusammenarbeiten, da viele städtische Herausforderungen Querschnittsaufgaben sind. Nur so können alle Belange berücksichtigt  und die ganze Expertise der verschiedenen Verwaltungsressorts berücksichtigt werden. Die vertikale Integration fokussiert dagegen die Zusammenarbeit von städtischer Politik und Verwaltung mit den lokalen Anspruchsgruppen (AnwohnerInnen, Vereine, öffentliche und private Organisationen), aber auch mit übergeordneten Behörden und PolitikerInnen auf regionaler, Landes- oder Bundesebene.

Integrierte Stadtentwicklung heißt

Um diese Prinzipen in die städtischen Verwaltungen in ganz Europa zu tragen, hat URBACT eine ganze Reihe von Prozessen und Tools entwickelt: Die „URBACT-Methode“. Sie schafft ein Arbeitsumfeld, das auf Lernen durch Praxis setzt.

Die Bausteine der URBACT-Methode sind:

  • Vernetzung zwischen europäischen Städten, um sich über gute Beispiele und Problemlösungen auszutauschen. Hierzu gibt es zur Zeit drei verschiedene Arten von URBACT-Netzwerken:
    • Aktionsplanungsnetzwerke für Städte, die einen integrierten Aktionsplan (Stadtentwicklungskonzept) für ihre Städte entwickeln möchten;
    • Transfernetzwerke für Städte, die ein bereits bestehendes gutes Beispiel in ihrem lokalen Kontext anwenden möchten;
    • Umsetzungsnetzwerke für Städte, die sich mit einem bereits bestehenden integrierten Aktionsplan den Problemen bei der Umsetzung widmen möchten.

Die Netzwerke ermöglichen den Austausch und Arbeitsprozess für MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung und lokale Stakeholder in Form von Recherchereisen, transnationalen Workshops und Peer-Reviews. Ein Netzwerk beinhaltet je eine anleitende Partnerstadt („Lead Partner“), sowie bis zu elf Projektpartner, die von URBACT-Experten unterstützt werden (siehe unten).

  • Partizipativer Ansatz der Stadtentwicklung.

Stadtverwaltungen, die im URBACT-Netzwerk involviert sind, formen lokale Arbeitsgruppen („URBACT Local Groups“), die sich aus Vertretern des sozialen-, ökonomischen- und ökologischen Sektors (Stadtverwaltung, NGOs, KMU, Universitäten) der Städte zusammensetzen. Ziel ist es, Lösungsansätze für jene lokale Bedürfnisse und Herausforderungen herauszuarbeiten, für die die jeweilige Stadt dem Netzwerk beigetreten ist. Abgesehen von der Stadtverwaltung profitieren die genannten Stakeholder von den oben erwähnten Aktivitäten des Netzwerks.

  • Das Erstellen und Umsetzen von integrierten Aktionsplänen schließt an das Vernetzen und Einbinden der lokalen Stakeholder an. Dies ist ein gemeinschaftlicher Prozess, der sich durch den Austausch von  bewährten Beispielen und Ideen der EU-Partnerstädte gestaltet, sowie durch die Treffen der Nationalen URBACT-Informationsstellen, die diese konkret erarbeiteten Handlungsansätze in den jeweiligen Städten umsetzen.
     
  • Die Unterstützung durch Experten wird für die teilnehmenden Städte im URBACT-Netzwerk von URBACT zu 100% finanziert. Die von den jeweiligen Netzwerken selbst ausgewählten Experten unterstützen die Städte hinsichtlich möglicher Herangehensweisen und mit thematischen Wissensinputs.
  • Der Aufbau von Kapazitäten und das Schulen von städtischen Akteuren, erarbeitete Strategien und Ansätze auf eine partizipativen Art und Weise zu gestalten, zu transferieren und umzusetzen, ist ein entscheidender Teil der Netzwerkarbeit. URBACT organisiert Sommer-Universitäten und bringt somit hunderte der teilnehmenden URBACT-Partner und Experten zusammen, um mit ihnen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, die für das Erarbeiten von integrierten Handlungsplänen zusammen mit Stakeholdern von Bedeutung sind. Zusätzlich zu diesem Angebot werden nationale Trainings, Webinars und Hilfestellungen zu spezifischen Themenbereichen angeboten.
  • Die Anwendung eines „Ergebnisrahmens“ dient zur Definition der zu erwarteten Ergebnisse und Einflüsse auf lokaler Ebene sowie zu entscheidenden Meilensteinen, Ergebnisindikatoren und Monitoring-Prozessen.
  • Um die Aktivierung und Kommunikation von Wissen und Verfahrensweisen zum Wohle der URBACT-Städte sowie der nicht teilnehmenden Städte zu unterstützen, hat URBACT einige Möglichkeiten bereitgestellt. Angefangen mit der URBACT-Webseite, den sozialen Medien, Artikeln, Veröffentlichungen, Workshops, Strategie Laboren und dem URBACT-Festival bis hin zu den nationalen URBACT-Informationsstellen, die in den jeweiligen Sprachen innerhalb ihres Landes Kommunikationsarbeit leisten, um Wissen mit den Partnern der Urbanen Agenda der EU und anderen Organisationen, die für urbane Entwicklung arbeiten (Rat der Gemeinden und Regionen Europas RGRE, EUROCITIES, UN-HABITAT, etc.) zu verknüpfen und zu teilen.
  • Unterstützung vom URBACT-Sekretariat, nationalen URBACT-Informationsstellen und Programmexperten.

Von 214 bis 2018 hat URBACT 20 Aktionsplanungsnetzwerke finanziert und 205 Städte aus ganz Europa zusammengebracht. Dank der URBACT-Methode konnten diese Städte durch die URBACT Local Groups lokale Stakeholder dazu befähigen, zusammen integrierte Stadtentwicklungskonzepte (Integrated Action Plans) zu entwickeln. Mehr als 66% der teilnehmenden URBACT-Städte wurde der erstellte integrierte Aktionsplan genehmigt, fast 50% konnten Finanzierungen dafür sichern und mehr als 80% der Städte haben bereits mit der Umsetzung der Pläne begonnen.

Wie man von URBACT profitieren kann

Jede Stadt, unabhängig von der Einwohnerzahl, kann von URBACT auf verschiedene Art und Weise profitieren.

Erstens ist die URBACT Website eine wertvolle Quelle, um sich hinsichtlich Erfahrungen mit guten Beispielen, Artikeln, Fallstudien und integrierten Aktionsplänen für verschiedene Themen inspirieren zu lassen. Ein Nebeneinander von digitalen und gedruckten Publikationen, wie die „Cities in Aktion - Stories of Change“-Broschüre, sind europaweit durch die Unterstützung der Nationalen URBACT-Informationsstellen verfügbar.

Zweitens organisiert URBACT regelmäßig Events, die offen für alle EU-Städte sind, um Wissen, Erfahrungen und Know-how auszutauschen. Diese Veranstaltungen reichen von URBACT-City-Festivals, Strategielaboren und Workshops während der „Europäischen Woche der Regionen und Städte“, bis hin zu anderen großen Konferenzen. Zusätzlich zu diesen Events agieren die Nationalen URBACT-Informationsstellen in 24 EU Ländern und kommunizieren und organisieren nationale Veranstaltungen zu Best-Practices und Ergebnissen der teilnehmenden URBACT-Städte.

Drittens kann sich jede Stadt bei einem Projektaufruf für neue Netzwerke bewerben und vom Austausch und Lernprozess mit internationalen Kollegen und Fachleuten profitieren.