Friedrichstadt als Pilotquartier für die Klimaneutralität
Im Projekt „Zukunftsviertel Friedrichstadt“ wird gemeinsam mit lokalen Akteur:innen ein integriertes energetisches Quartierskonzept entwickelt. Der Handlungsbedarf für das ausgewählte Quartier ergibt sich dabei aus den vielfältigen städtebaulichen und klimatischen Herausforderungen. Friedrichstadt ist geprägt von einer hohen baulichen Dichte und entsprechend starkem Verkehrsaufkommen. Gleichzeitig führen der hohe Versiegelungsgrad und fehlende Ausgleichsflächen zu einer erheblichen sommerlichen Hitzebelastung. Zudem gibt es nur einen begrenzten Zugang zu Grün- und Freiräumen wie Parks oder Spielplätzen. Auch der Gebäudebestand entspricht vielfach nicht mehr heutigen energetischen Anforderungen. Durch Sanierungen besteht ein großes Potenzial, den Wärmebedarf deutlich zu senken. Darüber hinaus bietet die Umstellung auf eine Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien einen zentralen Hebel, um Treibhausgasemissionen zu senken.
Die lokale Unterstützungsgruppe in Düsseldorf von „URBAN ECHO“
Bereits 2023 hat sich in der Friedrichstadt eine Akteursrunde gebildet, die unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen zusammenführt. Im Rahmen des URBACT-Netzwerks „URBAN ECHO“ wird diese Zusammenarbeit nun als lokale Unterstützungsgruppe (URBACT Local Group) fortgesetzt und weiter ausgebaut. Zu den Teilnehmenden zählen unter anderem lokale Politiker:innen, wie der Bezirksbürgermeister, die Interessensgemeinschaft „Die Friedrichs“, in der Vertreter:innen aus Zivilgesellschaft und Handel organisiert sind, die IHK, die Hochschule Düsseldorf sowie die Stadtwerke Düsseldorf. Damit sind sowohl wichtige Entscheidungsträger:innen als auch zahlreiche im Stadtteil aktive Institutionen und Initiativen in den Prozess eingebunden. Ziel der Gruppe ist es, den in Gent entwickelten Ansatz gemeinsam auf Friedrichstadt zu übertragen, lokales Wissen und unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und so tragfähige Lösungen für die Entwicklung des Quartiers zu definieren.
Klimaneutralität konkret vor Ort gestalten
Wie kann Friedrichstadt klimaneutraler werden und gleichzeitig ein lebenswerter Stadtteil bleiben? Mit dieser Frage beschäftigte sich die lokale Unterstützungsgruppe bei ihrem ersten Treffen im Rahmen von „URBAN ECHO“. Nach einer Einführung in das Netzwerk stellten Vertreter:innen der Stadt Düsseldorf den aktuellen Stand des integrierten energetischen Quartierskonzepts vor. Im Mittelpunkt stand anschließend die Diskussion konkreter Maßnahmen. Grundlage dafür waren unter anderem Ideen und Vorschläge, die bereits in Beteiligungsformaten erarbeitet wurden. Sie reichen von Maßnahmen zur sozialverträglichen Reduzierung von Treibhausgasen über Mobilitätsfragen bis hin zur Gestaltung öffentlicher Räume und der sozialen Infrastruktur. Besonders intensiv diskutiert wurden Themen, bei denen weiterer Austausch und lokale Erfahrungen gefragt sind, darunter ein Zukunftsfonds für Friedrichstadt, Nachbarschaftsaktionen, die Sichtbarmachung kühler Orte sowie die Beratung von Unternehmen zu Klimaschutzmaßnahmen.
Ganzheitliche Quartiersentwicklung in Friedrichstadt
Die Gespräche in der lokalen Akteursrunde machten deutlich, dass die Entwicklung in Friedrichstadt weit über energetische Sanierungen hinausgeht. Diskutiert wurden Maßnahmen, die den Alltag im Quartier unmittelbar betreffen und gleichzeitig zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können. So wurde beispielsweise vorgeschlagen, auf dem Kirchplatz einen Tisch als einfachen Treffpunkt für Nachbar:innen aufzustellen. Auch die Bedeutung von Begegnungsorten für Jugendliche wurde hervorgehoben. Als mögliche Ansätze wurden Sport- und Musikveranstaltungen genannt, die das Miteinander im Quartier stärken können. Ein weiteres Thema waren sogenannte „kühle Orte“. Dabei wurde diskutiert, wie bestehende Angebote wie Kirchen oder das Familienzentrum an heißen Tagen stärker genutzt und bekannter gemacht werden könnten. Herausforderungen wurden zudem bei der Ansprache von Eigentümer:innen gesehen, die häufig keinen direkten Bezug zum Quartier haben. Mit Blick auf das Vorbild Gent rückte außerdem die Mobilität in den Fokus. Das Beispiel des autofreien Stadtzentrums zeigte, welche Rolle dieses Thema für Klimaneutralität spielen kann. Auch wenn viele Entscheidungen hierzu auf politischer Ebene getroffen werden müssen, waren sich die Teilnehmenden einig, dass Mobilität im weiteren Prozess eine wichtige Rolle spielen sollte.
Vom Vorbild Gent zur Friedrichstadt von morgen
Die Arbeit der lokalen Unterstützungsgruppe wird in den kommenden Jahren fortgesetzt. Während die Akteur:innen in Düsseldorf weiter am integrierten energetischen Quartierskonzept arbeiten, geht auch der Austausch mit den europäischen Partnerstädten weiter. Nachdem in der ersten Projektphase vor allem untersucht wurde, wie der Ansatz aus Gent funktioniert und welche Elemente sich übertragen lassen, steht nun die Anpassung an die jeweiligen lokalen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Dabei kommt der lokalen Unterstützungsgruppe eine zentrale Rolle zu: Sie bringt Wissen aus dem Quartier ein und unterstützt dabei, passende Lösungen für Friedrichstadt zu entwickeln. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen später in Pilotaktionen erprobt und anschließend in die Transferpläne der Partnerstädte einfließen, das Endergebnis des URBACT-Netzwerks. Der europäische Austausch wird ebenfalls fortgesetzt. Im Oktober trifft sich das Netzwerk in Cluj-Napoca in Rumänien und anschließend im Frühjahr in Las Gabias in Spanien, bevor die Partnerstädte im Juni in Düsseldorf zusammenkommen. Damit beginnt die entscheidende Phase des Projekts: Aus einer europäischen Idee sollen konkrete Lösungen für die Friedrichstadt entstehen.