Was sind Study-Visits?
Im „URBAN ECHO“ Transfernetzwerk sind Study-Visits kontextbezogene Besuche, die von der Leiterin der Stadterneuerungsabteilung des Lead Partners Gent sowie von der URBACT-Lead-Expertin in jeder Partnerstadt durchgeführt werden. Sie dauern etwa eineinhalb Tage und konzentrieren sich stark auf Rundgänge vor Ort und den Austausch mit lokalen Akteur:innen.
Ziel dieser Besuche ist es, den Transferprozess in realen Orten und tatsächlichen Arbeitsbedingungen zu verankern. Die Besuche helfen allen Beteiligten zu verstehen, wo und wie Gents integrierter Ansatz zur Quartierserneuerung im jeweiligen lokalen Kontext angewendet werden kann. Gleichzeitig fördern sie gegenseitiges Lernen, da jede Partnerstadt eigene Erfahrungen und übertragbare Praktiken einbringt.
Diese Besuche unterstützen die URBACT-Logik „Understand > Adapt > Reuse“ des Projekts „URBAN ECHO“ und fließen direkt ein in die „Transferability Study“, die Gestaltung der transnationalen Treffen sowie die Vorbereitung der lokalen Transferpläne, das Endergebnis der Projektpartner.
Quartiersentwicklung nachhaltig gestalten? Beispiel Friedrichstadt, Düsseldorf
Vor dem Hintergrund des Düsseldorfer Ziels der Klimaneutralität bis 2035 soll Friedrichstadt als Pilotquartier schrittweise zum Zukunftsviertel werden. Hierfür wird gemeinsam mit lokalen Akteur:innen ein integriertes energetisches Quartierskonzept entwickelt. Die Erkenntnisse aus dem Good-Practice-Ansatz der Partnerstadt Gent sollen hierbei zur Entwicklung einer nachhaltigen und integrierten Vision beitragen. Aus diesem Grund startete der erste Tag des Study Visits mit einem Rundgang durch Friedrichstadt. Im Austausch wurden lokale Herausforderungen und Stärken, vergangene und laufende Maßnahmen sowie Bezüge zu übergeordneten städtischen Strategien diskutiert.
Friedrichstadt ist durch eine hohe bauliche Dichte und damit einhergehende Verkehrsbewegungen gekennzeichnet. Die bauliche Dichte sowie der hohe Versiegelungsgrad ohne ausreichende Ausgleichsflächen haben eine hohe sommerliche Hitzebelastung zur Folge. Auch fehlt ausreichend Zugang zu Grünräumen wie Parks oder Spielplätzen. Darüber hinaus entspricht der Gebäudebestand zu großen Teilen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Es besteht ein hohes Potenzial zur Wärmebedarfsreduktion durch energetische Sanierung. Auch die Wärmeversorgung der Gebäude durch regenerative Energieträger stellt einen wichtigen Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralität dar.
Im anschließenden Workshop wurden die Herausforderungen in der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in Friedrichstadt diskutiert. Erste mögliche Ansatzpunkte für die Übertragung des Good-Practice wurden unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Voraussetzungen in Gent und Düsseldorf festgehalten.
Es wurde deutlich, dass eine Erzählung, die Problembewusstsein schafft, eine zentrale Voraussetzung für eine gelungene Quartiersentwicklung darstellt. Damit einher geht ein besonderer Fokus auf Kommunikation: Dafür müssen entsprechende Budgets festgelegt sowie personelle Ressourcen eingeplant werden. Zudem spielen die Wahl geeigneter Beteiligungsformate sowie Strategien zur Ansprache bislang schwer erreichbarer Gruppen eine wichtige Rolle, um auch die „stille Masse“ zu erreichen.
Auch die geplante Zusammensetzung der Urbact-Local-Group (ULG) wurde besprochen: bereits 2023 hat sich eine Akteursrunde zusammengesetzt, die künftig die Rolle des ULG übernehmen wird. Teilnehmer:innen sind unter anderem lokale Politiker:innen, Vertreter:innen aus Zivilgesellschaft und Handel, die Hochschule Düsseldorf sowie die Stadtwerke. Damit wird ein breites Spektrum an Entscheidungsträger:innen sowie in Friedrichstadt tätigen Akteur:innen in den Prozess eingebunden.
Düsseldorfer Good-Practice: Stadterneuerung in Garath
Der zweite Tag diente zur Vorstellung des Düsseldorfer Good-Practices in Garath: Nach einer Vorstellung der Historie und Erfahrungen der integrierten Quartiersentwicklung in Garath führte ein Rundgang zu den Orten, an denen durch Stadterneuerungsprogramme bereits verschiedene Maßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden. Dabei wurden Methoden und Ansätze aus Düsseldorf vorgestellt, die einen Mehrwert für den Austausch im Netzwerk bieten und Impulse für die Partnerstädte geben können, beispielsweise die langfristige Etablierung des Quartiersmanagements, die Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen sowie die Kombination von baulicher Erneuerung mit sozialen und demokratiefördernden Maßnahmen.
In der Laufzeit der URBACT-IV-Transfernetzwerke bis zum 30. April 2028 sind noch weitere Study Visits und transnationale Netzwerktreffen geplant. Bleiben Sie über den LinkedIn von „URBAN ECHO“ auf dem Laufenden.
Artikel von Montana Schulze, Stadt Düsseldorf.