Städte als Gesundheitsfaktor: Wie urbanes Leben unsere Gesundheit jenseits des Gesundheitswesens formen
Wenn wir über Gesundheit und Wohlbefinden sprechen, denken wir oft zuerst an das Gesundheitswesen: an Ärzt:innen, Krankenhäuser, Behandlungen, Präventionskampagnen, Medikamente oder Krankmeldungen. In Europa stehen diese Aspekte im Zentrum gesellschaftlicher Antworten auf Krankheit und Prävention. Doch Gesundheit entsteht nicht nur in Kliniken und Wartezimmern. Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gesundheit ein Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens – und nicht lediglich die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen (WHO Constitution, 1948).
Gesundheit beginnt bereits früher: in den Räumen des Alltags. Sie wird geprägt von der Luft, die wir atmen, den Straßen, auf denen wir unterwegs sind, den öffentlichen Räumen, die wir nutzen, unserer Ernährung sowie den Möglichkeiten, uns zu bewegen, auszuruhen, Menschen zu begegnen und uns als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen.
An dieser Stelle verschwimmt die Grenze zwischen individuellem Wohlbefinden und öffentlicher Verantwortung. Für Städte stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie können kommunale Behörden Gesundheit und Wohlbefinden nachhaltig im urbanen Leben verankern? Mit dieser Frage beschäftigen sich Städte in ganz Europa – darunter auch die Stadt München, die im Rahmen des URBACT-Netzwerks OneHealth4Cities daran arbeitete, den One-Health-Ansatz, der die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt gemeinsam betrachtet, in städtische Strategien und Projekte umzusetzen.
Die URBACT-Aktionsplanungsnetzwerke OneHealth4Cities, Re-Gen und Breaking Isolation haben sich im Rahmen ihrer Planungsprozesse genau mit dieser Frage auseinandergesetzt. Sie untersuchten, wie Gesundheit über das klassische Gesundheitswesen hinaus gedacht und in konkrete, gemeinschaftlich getragene Maßnahmen übersetzt werden kann. Ihre Erfahrungen zeigen sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen eines Ansatzes, der Gesundheit als integralen Bestandteil des städtischen Lebens versteht.