Rückblick auf das URBACT City Festival in Nikosia

Edited on 22/10/2026

Gruppenfoto URBACT City Festival in Nikosia. Foto: URBACT / Giorgios Michael

Gruppenfoto vom URBACT City Festival

Gemeinsam lernen, Stadtentwicklung neu denken: Das URBACT City Festival in Nikosia zeigte, wie transnationale Zusammenarbeit, Erfahrungsaustausch und innovative Methoden Städte und Gemeinden dabei unterstützen können, gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen.

Wie können europäische Städte voneinander lernen und gemeinsam Lösungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung entwickeln? Rund 270 Städte und mehr als 500 Teilnehmende kamen beim URBACT City Festival  am 29. und 30 September 2026 in Nikosia zusammen, um die Ergebnisse der ersten abgeschlossenen URBACT-Netzwerke zu präsentieren, Erfahrungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Im Mittelpunkt standen Fragen, die viele europäische Städte beschäftigen, wie zum Beispiel: Klimaanpassung, Biodiversität, Mobilität, integrierte Stadtplanung und leistbares Wohnen.

Der Austausch machte deutlich, dass zahlreiche Städte bereits an ähnlichen Problemstellungen arbeiten. Dabei entstehen Methoden, Werkzeuge und Lösungsansätze, von denen auch andere Kommunen profitieren können. Der Marktplatz und die thematischen Sessions boten Gelegenheit, diese Erfahrungen kennenzulernen und Möglichkeiten für den Transfer in andere lokale Kontexte auszuloten. Hier ein Auszug aus, den Sessions, an denen ich als National URBACT Point teilgenommen habe. 

Eröffnugn Urbact City Festival. Foto: Martina Bach
Eröffnung URBACT City Festival. Foto: Martina Bach
 
Natur als Chance für eine nachhaltige Stadtentwicklung

Klimawandel, Biodiversitätsverlust und zunehmender Siedlungsdruck stellen Städte vor große Herausforderungen. Naturbasierte Lösungen zeigen, wie ökologische und soziale Ziele miteinander verbunden werden können, um die Lebensqualität zu verbessern und Städte widerstandsfähiger zu machen.

In der Session zu Nature-based Solutions veranschaulichten Beispiele aus Portugal und Lettland, wie natürliche Ressourcen und die spezifischen Qualitäten eines Ortes stärker in die Stadtentwicklung einbezogen werden können. Die URBACT-Netzwerke BiodiverCity, Re-Gen und GreenPlace beschäftigen sich mit Ansätzen, die urbane Räume renaturieren, Brachflächen und versiegelte Böden neu denken, Stadt und Umland besser vernetzen und nachhaltige Mobilität fördern. Urbane Landwirtschaft kann dabei ebenfalls eine Rolle spielen.

Neben den fachlichen Ansätzen rückte eine grundlegende Frage in den Mittelpunkt: Wie gelingt Veränderung auf lokaler Ebene? Dafür braucht es engagierte politische Entscheidungsträger, eine leistungsfähige Verwaltung und die aktive Einbindung der Bevölkerung. Entscheidend ist außerdem die Zusammenarbeit über unterschiedliche politische und administrative Ebenen hinweg.

Möchten Sie mehr dazu erfahren? Der URBACT Knowledge Hub zu Nature-based Solutions bietet ergänzend dazu Beispiele und Anregungen für die praktische Umsetzung naturbasierter Lösungen.

 

Integrierte Stadtplanung und neue Formen der Zusammenarbeit

 

Stadtplanung umfasst heute weit mehr als Flächennutzung und Zonierung. Sie muss ökologische, soziale, wirtschaftliche und digitale Entwicklungen zusammendenken und unterschiedliche Interessen in gemeinsame Strategien überführen.

Beiträge aus den Netzwerken BEYOND THE URBAN und Cities@Heart sowie aus der European Urban Initiative zeigten, wie interkommunale Zusammenarbeit nachhaltige Mobilität unterstützen und neue Perspektiven für die Entwicklung historischer Stadtzentren eröffnen kann. Auch digitale Werkzeuge wie Virtual Reality (VR) und Künstliche Intelligenz (KI) bieten neue Möglichkeiten, Beteiligungsprozesse und die Entwicklung öffentlicher Dienstleistungen zu gestalten.

Eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Stadtentwicklung ist die frühzeitige Einbindung relevanter Akteur. Die URBACT Local Group bringt in jedem Netzwerk unterschiedliche Perspektiven auf lokaler Ebene zusammen und unterstützt den Dialog zwischen Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und weiteren Beteiligten. Politische Entscheidungsträger sollten von Beginn an in die Prozesse eingebunden sein, damit gemeinsam entwickelte Ideen auch umgesetzt werden können.

Darüber hinaus wurde deutlich, dass URBACT nicht nur einzelne Projekte unterstützt, sondern auch Veränderungen in der Arbeitsweise von Verwaltungen anstoßen kann. Abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, gemeinsame Visionen, mehr Beteiligung und das Erproben neuer Ansätze helfen dabei, etablierte Strukturen aufzubrechen und komplexe Aufgaben gemeinsam zu bearbeiten.

Die URBACT Toolbox stellt dafür Methoden und Werkzeuge bereit, die Städte an ihre jeweiligen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen anpassen können. Es geht somit nicht darum, fertige Lösungen unverändert zu übernehmen, sondern geeignete Ansätze für den eigenen lokalen Kontext weiterzuentwickeln.

Thematische Session zu Urban Planning, Foto: Martina Bach

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Wohnen: Erfahrungen übertragen und neue Perspektiven gewinnen

 

Die Session "Housing: From Transfer to Transformation" zeigte anhand der URBACT-Netzwerke Cities 4 Co-Housing und EmPoweringUs, wie Städte voneinander lernen und innovative Ansätze für leistbares Wohnen weiterentwickeln können.

Brüssel etablierte mit Calico das erste Community Land Trust-Modell in Europa. Durch die Entkopplung von Grundstücks- und Wohnkosten wird leistbarer Wohnraum insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen, ältere Frauen und Alleinerziehende geschaffen. Über Cities 4 Co-Housing wurde das Modell mit anderen Städten geteilt.

Getafe in Spanien verdeutlichte im Rahmen von EmPoweringUs den Zusammenhang zwischen Wohnen und Energiearmut: Rund 80 Prozent der Gebäude sind energetisch ineffizient, ein Viertel der Bevölkerung ist von Energiearmut betroffen. Leistbares Wohnen muss daher auch die laufenden Energiekosten berücksichtigen.

Beide Beispiele zeigen: Erfolgreicher Wissenstransfer bedeutet nicht, Lösungen einfach zu kopieren, sondern sie an lokale Rahmenbedingungen anzupassen und dadurch neue Wege für eine sozial gerechte Wohnungspolitik zu eröffnen. Unterschiedliche rechtliche, politische und soziale Rahmenbedingungen erfordern eine sorgfältige Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten.

Der Transferprozess bot zugleich die Möglichkeit, bestehende Projekte kritisch zu hinterfragen, neue Perspektiven einzunehmen und die eigene Arbeitsweise weiterzuentwickeln. Gerade bei komplexen Themen wie sozialem Wohnbau ist es wichtig, Wissen aus unterschiedlichen Verwaltungsbereichen zusammenzuführen und Kooperation sowie Koordination zu stärken.

 

URBACT als Plattform für Lernen und Innovation

 

Die Erfahrungen aus den thematischen Sessions verdeutlichten die besondere Rolle von URBACT für die europäische Stadtentwicklung. Das Programm schafft einen Rahmen, in dem Städte über einen längeren Zeitraum zusammenarbeiten, neue Ansätze erproben, ihre Erfahrungen reflektieren und voneinander lernen können.

Dabei steht nicht allein die Entwicklung einzelner Projekte im Vordergrund. Ebenso wichtig sind der Aufbau lokaler Partnerschaften, die Weiterentwicklung kommunaler Arbeitsweisen und die Möglichkeit, bewährte Methoden an unterschiedliche Rahmenbedingungen anzupassen.

Auch die zukünftige Finanzierung der Stadtentwicklung auf europäischer Ebene war Thema des Festivals. Mit Blick auf die EU-Förderperiode 2028-2034 wurde die Bedeutung einer langfristigen Perspektive für Städte hervorgehoben. In den Diskussionen ging es insbesondere darum, kommunale Interessen auf europäischer Ebene stärker zu vertreten und die Finanzierung nachhaltiger Stadtentwicklung langfristig abzusichern.

Die beim Festival formulierten Impulse lassen sich in drei Gedanken zusammenfassen: Neugierig bleiben, konstruktive Auseinandersetzungen zulassen und langfristig denken. Nachhaltige Veränderungen entstehen nicht über Nacht. Sie benötigen Zeit, Zusammenarbeit und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen.

 

Markplatz beim URBACT City Festival, Foto: Martina Bach 

 

Gemeinsam weiterdenken

 

Das URBACT City Festival in Nikosia zeigte, wie wertvoll der europäische Erfahrungsaustausch für Städte und Gemeinden sein kann. Viele Städte und Gemeinden stehen vor ähnlichen Herausforderungen, entwickeln jedoch unterschiedliche Antworten darauf. Der Austausch ermöglicht es, aus diesen Erfahrungen zu lernen, bestehende Ansätze zu hinterfragen und neue Lösungen gemeinsam weiterzuentwickeln.

Nicht jede Stadt muss jede Lösung selbst erarbeiten. Oft besteht der erste Schritt darin, herauszufinden, welche Erfahrungen anderswo bereits vorliegen und wie sie für die eigenen Herausforderungen nutzbar gemacht werden können.

Submitted by on 22/10/2026
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Martina Bach

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